Kriterien der Wertung

In einer guten Debatte wird die Streitfrage von verschiedenen Seiten betrachtet. Wenn dabei deutlich wird, was für die eine und was für die andere Seite spricht, liegt darin ein Gewinn für alle. Dazu kann jeder Teilnehmer beitragen, indem er seinen Standpunkt stark macht und ihn gegen Einwände verteidigt. Ebenso wichtig ist, dass er die Meinungen der anderen Teilnehmer ernst nimmt und sich mit ihnen gründlich auseinandersetzt.

Maßstäbe, nach denen eine solche Leistung mathematisch exakt und zweifelsfrei beurteilt werden könnte, gibt es nicht. Auch zeigt sich die Redefähigkeit des Einzelnen immer nur relativ, im Verhältnis zu seinen jeweiligen Gesprächspartnern. Das macht die Bewertung schwierig. Trotzdem muss sie nachvollziehbar und durchschaubar sein, da andernfalls ein fairer Wettbewerb nicht möglich ist. Also bedarf es ausdrücklicher Kriterien, die zumindest im Umriss zeigen, worin die Qualität der rednerischen Leistung liegt. Bei Jugend debattiert sind es folgende vier:

Sachkenntnis:

Wie gut weiß der Redner, worum es geht?

Ausdrucksvermögen:

Wie gut sagt er, was er meint?

Gesprächsfähigkeit:

Wie gut geht er auf die anderen ein?

Überzeugungskraft: 

Wie gut begründet er, was er sagt?

Die Juroren sollen einschätzen, in welchem Maße jeder Redner diese Kriterien erfüllt. Die vier Kriterien erlauben es, Stärken und Schwächen differenziert zu benennen. Jeder Schüler erfährt, worin er sich noch üben kann. Was schon gelingt, findet eine direkte Würdigung.


Sachkenntnis
Sachkenntnis meint die Fähigkeit, Sachfragen zutreffend und gehaltvoll zu beantworten. ‚Sache‘ meint die Sache als Angelegenheit, die in Frage und damit zur Debatte steht. Der Redner soll wissen: worin besteht die Angelegenheit, in welchem Zusammenhang steht sie, was ist der Stand, wo liegt der Streitpunkt.


Ausdrucksvermögen
Ausdrucksvermögen meint das Vermögen zur sprachlich-sprecherischen Darstellung: verbal, vokal, nonverbal – in allen Dimensionen der Sprachlichkeit. Ausdrucksvermögen zeigt sich in der Verständlichkeit und Klarheit der einzelnen Beiträge, in der Anschaulichkeit und Einprägsamkeit der Formulierungen, in Wortwahl und Satzbau, in sprachlichen Bildern und Vergleichen.


Gesprächsfähigkeit
Gesprächsfähigkeit meint die Fähigkeit der Teilnehmer der Debatte, sich auf die Debatte als Gesprächssituation einstellen zu können. Als Gespräch lebt die Debatte davon, dass ihre Teilnehmer nicht nur sich, sondern auch die Anderen sehen und die Fragestellung als gemeinsame Aufgabe begreifen. Dies gelingt, wenn die Teilnehmer zu gegenseitigem Austausch, gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Bezugnahme bereit und in der Lage sind. Die Gegenseitigkeit sichert zugleich die Fairness der Auseinandersetzung.


Überzeugungskraft
Überzeugungskraft meint die Fähigkeit, vom Hörer her und auf ihn hin zu argumentieren, so dass dieser sich bereit findet, dem so Gesagten zuzustimmen. Zur Überzeugungskraft gehört dreierlei: Verständnis für die Lage der Hörer, Glaubwürdigkeit im Auftreten als Redner, Nachvollziehbarkeit vorgebrachter Gründe.


Nicht bewertet wird, welche Position der Einzelne vertritt (pro oder contra). Gefordert ist nur, dass jeder sich der Auseinandersetzung stellt und die Regeln der Debatte beachtet.

Dienstag, 7.09.2010
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