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30 Jahre Deutsche Einheit - Wie denken Jugendliche darüber?

Allgemeines

Deutschland einig Vaterland. Was verbinden Schülerinnen und Schüler, die das geteilte Deutschland nie erlebt haben, damit? Bedeutet ihnen das historische Ereignis etwas? Und inwiefern leistet Jugend debattiert einen Beitrag zur gesellschaftlichen Einheit? Wir haben drei Landessiegerinnen und zwei Landessieger gebeten, uns diese Fragen zu beantworten.

Jessica, 20 Jahre, Hamburg
„Die Deutsche Einheit spielt in meinem Umfeld kaum eine Rolle. Meine ganze Familie und mein engerer Freundeskreis kommen aus dem Westen, sodass nur selten darüber gesprochen wird. Auch in der Schule (in Hamburg) wurde die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands leider nicht wirklich behandelt.

Auf mein persönliches Leben hat die Deutsche Einheit nur als interessantes Stück Geschichte einen Einfluss. 30 Jahre sind allerdings eine kurze Zeit und im Leben vieler Menschen ist dieser Einfluss deutlich größer. Daher finde ich es wichtig, mich mit der Wiedervereinigung zu befassen und zu verstehen, wie sie sich noch heute auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft (besonders im Osten) auswirkt. Umso mehr ist es ein Versäumnis, dass in vielen Schulen im Westen kaum darüber gesprochen wird.

Erst durch Jugend debattiert und den Kontakt zu Jugendlichen aus dem Osten ist mir bewusst geworden, dass die deutsche Einheit heute noch ein brandaktuelles Thema ist, das im Osten viel häufiger thematisiert wird als im Westen. Die Auswirkungen, die die Wiedervereinigung auf die Gegenwart hat, waren mir vorher kaum bewusst. Formate wie Jugend debattiert tragen meiner Ansicht nach insofern stark zur Deutschen Einheit bei, indem sie dafür sorgen, dass sich Menschen aus allen Gegenden Deutschlands und mit unterschiedlichen Blickwinkeln begegnen, austauschen und Freundschaften knüpfen können. „

Tim-Niklas, 18 Jahre, Niedersachsen
„Im Deutsch- und Politikunterricht meiner Schule haben wir die Zeit der Wiedervereinigung behandelt. Als jemand, der im ehemaligen Westen aufgewachsen ist und keine Verwandte aus der ehemaligen DDR hat, ist für mich ein geeintes Deutschland selbstverständlich.

Den Tag der Deutschen Einheit nehme ich in meinem Umfeld nur als Feiertag für ein bedeutsames historisches Ereignis wahr, ohne dass es mich in meinem Alltag beeinflusst. In meinem Freundeskreis beobachte ich Ähnliches. Dennoch ist mir bewusst, dass gesellschaftliche und politische Entwicklungen immer im historischen Kontext gesehen werden müssen.

Bei Jugend debattiert kommen Jugendliche aus allen Bundesländern zusammen. Allein das sorgt schon für Einheit, weil sich alle Teilnehmenden als Teil einer Gemeinschaft sehen, ganz gleich aus welchem Land sie kommen. West oder Ost spielen dabei keine Rolle. Auch glaube ich, dass es zur Einheit beitragen kann, wenn die Bedeutung von Debattenkultur, Demokratie und Partizipation bei Jugend debattiert im Vordergrund steht.“

Nele, 16 Jahre, Hessen
„Als Gesprächsthema war die Deutsche Einheit bei mir zuhause oder in der Schule lange Zeit tatsächlich kaum präsent. Erst als wir dann im Informatikunterricht letztes Jahr eine Website zum Thema ,30 Jahre Mauerfall´ konzipieren sollten, fiel mir auf, dass wir über dieses wichtige Ereignis alle ziemlich wenig wussten. Wir hatten das Thema lediglich im Geschichtsunterricht mal kurz behandelt. Nach der Recherche für die Website habe ich dann begonnen mit anderen Leuten, die teilweise auch selbst dabei waren, über dieses Thema zu sprechen. 

30 Jahre Deutsche Einheit hat für mich persönlich dennoch nur eine untergeordnete Bedeutung. Denn auch wenn es zahlreiche Bücher und Zeitzeugen gibt, die von dem Thema berichten können, habe ich es letztendlich selbst nie erlebt, dass Deutschland nicht vereint ist.

Ein Programm wie Jugend debattiert kann auf verschiedene Weise zur Einheit Deutschlands beitragen. Zum einen wird es in allen Bundesländern durchgeführt, es treffen bei Seminaren und Wettbewerben immer wieder Menschen aus ganz unterschiedlichen Ecken Deutschlands aufeinander, die miteinander ins Gespräch kommen. Zum anderen fördert Jugend debattiert über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und Probleme und Sachverhalte immer auch in Bezug auf ganz Deutschland und nicht nur in Bezug auf einen selbst oder die eigene Umgebung zu betrachten.“ 

Alexander, 19 Jahre, Sachsen-Anhalt
„Aus ,Wir sind das Volk´ wird ,Wir sind ein Volk´. Aber ist das wirklich so? Die Frage, was die Einheit für mich bedeutet, ist mit einem Wort beantwortet: Deutschland. Ich kenne persönlich kein geteiltes Deutschland mit zwei grundverschiedenen Systemen. Ich habe den Kampf hunderttausender Menschen für einen Umbruch nicht persönlich miterlebt. Dennoch ist mir bewusst, dass das Deutschland, welches ich kenne und in dem ich gerne lebe erst durch die Wiedervereinigung möglich ist.

Das Thema der Wiedervereinigung schwingt auch heute noch jeden Tag in der Politik mit. Sozial, wirtschaftlich und gesellschaftlich sind die Chancengleichheit und die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West bisweilen immer noch große Herausforderungen. Die Wiedervereinigung ist damit nicht nur eine Zäsur in der Geschichte Deutschlands. Vielmehr ist sie die Aufgabe, den Zusammenhalt und vor allem die errungenen Freiheiten zu bewahren. 

Jugend debattiert leistet auf Bundesebene einen wichtigen Beitrag dazu. Durch einen Austausch von Meinungen von Menschen aus allen Teilen Deutschlands profitiert das Debattenformat.“ 

Pauline, 17 Jahre, Berlin
„Mit meiner Familie spreche ich auf jeden Fall häufig über das Thema. In der Wendezeit waren meine Eltern ungefähr so alt wie ich es jetzt bin, weshalb es mich total interessiert, wie sie die Veränderungen damals als Jugendliche erlebt haben. In der Schule und meinem Freundeskreis tauschen wir uns zwar auch gelegentlich über die Thematik aus, dabei ist aber beispielsweise die Ost-West-Herkunft unserer Eltern gar nicht relevant. 

Ich wäre tatsächlich ohne die Wende gar nicht geboren, da sich meine Eltern, die aus Österreich und der ehemaligen DDR kommen, nie kennengelernt hätten. Davon abgesehen hat die Einheit Deutschlands einen großen Stellenwert in meinem Demokratieverständnis. So bin ich unglaublich froh darüber, heutzutage meine Meinung problemlos ausdrücken zu können und mit anderen Menschen über verschiedenste Themen ohne Einschränkung diskutieren zu können. 

Jugend debattiert fördert nicht nur die Debattenkultur, sondern bedeutet für mich auch gelebte Demokratie. Zur Einheit Deutschlands trägt dementsprechend das Vermitteln demokratischer Werte bei, aber auch der grenzüberwindende Austausch mit Jugendlichen aus ganz Deutschland. Das hat mir sowohl viele Freundschaften gebracht als auch für einen horizonterweiternden Austausch gesorgt, bei dem vor allem unsere Gemeinsamkeiten im Vordergrund standen: Unser gesellschaftliches und politisches Interesse, mit dem wir, so wie in der Debatte, nur etwas erreichen können, wenn wir zusammen arbeiten - als Einheit.“

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