Jugend debattiert

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1. Stadtstaatenwettbewerb von "Jugend debattiert in Sprachlernklassen"

"Meine Damen und Herren, liebe Debattantinnen und Debattanten, ich heiße Sie und euch herzlich zu diesem heutigen Fest der Debatte willkommen", begrüßte Moderator Tim Wagner Teilnehmende, Juroren und Zuschauer am Morgen des Wettbewerbstags. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus Hamburg, Bremen und Berlin debattierten zum ersten Mal bei einem gemeinsamen Wettbewerb am 18. November 2018 in Lüneburg. Die von ihnen, die bereits am längsten Deutsch lernen, kamen gerade einmal vor drei Jahren nach Deutschland. Sie alle konnten bereits in Debatten in ihren Klassen und Bundesländern punkten. Entsprechend routiniert verlief die Vorbereitung auf den Stadtstaatenwettbewerb. Alle Debattanten reisten bereits am Freitag an und konnten sich so besser kennenlernen. Unter der Leitung ihrer Trainer Tim Wagner und Markus Matern frischten sie gemeinsam am Samstag ihre Kenntnisse des Debattenablaufs auf, um sich auf die anstehenden Themen vorzubereiten.

Die 16-Jährige Hifeen aus Bremen hatte Glück, denn in der Hinrunde des Wettbewerbs am Sonntag debattierte sie auf ihrer Lieblingsposition - als Pro-1-Rednerin. "Viele Jugendliche sind übergewichtig. Deshalb soll der Unterricht in der Schule erst um 9 Uhr beginnen. Davor gibt es jeden Tag eine Sportstunde", eröffnete Hifeen, die vor etwa zwei Jahren nach Deutschland kam, die Debatte zur Überlegung, ob jeder Schultag mit einer Sportstunde starten solle. Gegenüber auf der Contra-2-Position stand Fernanda aus Portugal. Der Hamburgerin bedeutet Jugend debattiert sehr viel, da sie so gelernt habe, ihre Meinung klar auszudrücken und selbstbewusster geworden sei. Ihr Lieblingsthema beim Stadtstaatenwettbewerb war das Thema der Rückrunde: "Sollen Jugendliche schon ab 16 Jahren alleine wohnen dürfen?" Angeregt debattierten die Schülerinnen und Schüler darüber, wann Jugendliche bereit sind, volle Verantwortung für ihr Leben zu tragen. Rojin aus Berlin, die vor gut 2 Jahren  nach Deutschland kam, vertrat als Contra-Rednerin den Standpunkt, dass Jugendliche, die allein wohnen, mit den alltäglichen Herausforderungen überfordert wären und ihnen außerdem keine Zeit für die Schule bliebe. "Gestern Abend habe ich mich bis ein Uhr nachts vorbereitet", erzählte sie, schließlich sei jede Debatte eine individuelle Herausforderung.

Noch vor der Mittagspause stand fest - Rojins Anstrengung hatte sich gelohnt. Zusammen mit Samira und Alisa aus Hamburg und Ibrahim aus Bremen hat sie sich für die Finaldebatte qualifiziert. Vor einer Jury aus sechs Alumni nahmen sie sich der Frage an, ob in der Schule außerhalb des Unterrichts nur Deutsch gesprochen werden sollte. "Das wäre gar nicht gut für die Sprachkompetenz der Geflüchteten", argumentierte Rojin, die vor allem mit ihrer Ausdrucksweise überzeugen konnte. Gemeinsam mit Ibrahim löcherte sie die Pro-Rednerinnen Samira und Alisa, die sich von der Maßnahme eine Verbesserung der Integration versprachen. Nach ausführlicher Juryberatung wurde schließlich ein denkbar knappes Ergebnis verkündet. Die beiden Siegerinnen Rojin (16) aus Syrien und Samira (18) aus Afghanistan sind zu den Bundesfinaltagen in Berlin im kommenden Juni eingeladen. Auch Bernd Stinsmeier, Landesbeauftragter für Jugend debattiert in Hamburg, zeigte sich begeistert von der Motivation aller Teilnehmenden. "Das alles sind Leute, die richtig wollen". Sie hätten eine beachtliche sprachliche Entwicklung hinter sich, die durch Jugend debattiert in Sprachlernklassen entscheidend gefördert wurde.

Lena Bickel, Alumna Jugend debattiert 2016

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