Jugend debattiert

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Südamerika: Der Wettbewerb Jugend debattiert - meine große Erfahrung

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Im Mai hatte ich Gelegenheit, am schulinternen Debattierwettbewerb auf Deutsch teilzunehmen, bei dem ich mich zusammen mit meinem Kameraden Alex Nannig für den nationalen Wettbewerb qualifizierte. Dort kamen Josefa Hidalgo aus Temuco und ich eine Runde weiter. Wir wurden für den internationalen Wettstreit, welcher in Sao Paolo ausgetragen wurde, selektioniert. Zu Beginn hätte ich nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, mich für Brasilien zu qualifizieren und dort mit den Besten Südamerikas zu debattieren; eine Reise in ein mir fremdes Land schien mir unglaublich! Aber es wurde Realität. Zusammen mit Josefa und je zwei Jugendlichen aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Peru reisten wir nach São Paolo nach Brasilien.

Am 24. Oktober trafen alle in São Paolo ein. Am nächsten Tag genossen wir zehn Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Lehrer und Begleitpersonen eine Stadtrundfahrt. Uns alle verband eines, nämlich die deutsche Sprache. Auf dieser Tour wurden uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt und Einzelheiten über deren Geschichte erzählt, selbstverständlich alles auf Deutsch. Besonders bewegend waren für mich die vielen Menschen, welche auf den Gehsteigen lagen und schliefen. Sie trugen nur spärliche Kleidung, keine Schuhe und hatten wohl kaum etwas zu essen. Oft macht man sich keine Gedanken, dass es Menschen gibt, die unter solchen Bedingungen leben müssen. Solche Eindrücke haben mir geholfen, darüber nachzudenken und mein eigenes Leben mehr zu schätzen. 

Am 25. Oktober fand die Qualifikation für das Finale statt. Am Morgen hatten wir Zeit, uns für die Debatten vorzubereiten. Um 14.00 Uhr begann die erste Debatte mit dem Thema „Soll im Sportunterricht auf die Notengebung verzichtet werden?“. Vor der Debatte war ich furchtbar nervös, aber dann genoss ich das Diskutieren. Es ist unglaublich, dass es immer verschiedene Gesichtspunkte gibt und wie während des Debattierens immer neue Ideen entstehen.

Sofort nach der ersten musste ich zur zweiten Debatte antreten, welche meiner Meinung nach viel schwieriger war: Es wurde darüber debattiert, ob der Flächenverbrauch durch Straßen und Bebauung in städtischen Regionen strikt begrenzt werden sollte. Anschließend wurden die Resultate bekannt gegeben. Wie ich eben gelernt hatte, gibt es immer verschiedene Ansichten. Einerseits stellte ich mir vor, wie schön es wäre, im Finale im Konsulat debattieren zu können, andererseits auch, wie toll es wäre, ganz entspannt, ohne Nervosität, den Besuch an diesem besonderen Austragungsort zu genießen. Ich befand mich nicht unter den Finalisten, aber die andere Chilenin, Josefa, hat es geschafft. Als Krönung dieses anstrengenden Tages wurden wir zum Pizzaessen eingeladen. Wir waren schon satt vom Probieren der köstlichen, „salzigen“ Pizzas, da erschien der Kellner plötzlich mit einem ganz besonderen Nachtisch: Eine Pizza mit Schokolade! Diese musste man einfach probieren. 

Wisst ihr, was ein Konsulat ist? Ich habe mir einen großen, dunklen Raum vorgestellt, hatte keine Ahnung, wie es wirklich war. – Plötzlich befanden wir uns in einem wunderschönen Haus, mit einem riesigen Schwimmbad im Garten, wo uns ein Cocktail mit Früchten und Kaffee erwartete, alles aufs Schönste und elegant präsentiert. Es erschien mir wie ein Traum: Ich, umgeben von wichtigen Persönlichkeiten, in der Residenz des deutschen Generalkonsuls in Brasilien! Das war bis heute definitiv der Tag, an dem ich mich am bedeutendsten gefühlt habe. Man tauschte Gedanken aus, sprach Deutsch, denn einige konnten nicht Spanisch, andere wie ich kein Portugiesisch. Sogar die Katze des Generalkonsuls wollte am Geschehen teilhaben. Während des Finals begann sie, auf der Terrasse zu miauen und hörte nicht eher auf, bis auch sie Einlass bekam. 

Das Finale war spektakulär. Alle gaben ihr Bestes, aber Josefa aus Chile war die Beste. Sie wurde zur Siegerin erkoren. So mussten wir am Abend feiern! Wir gingen in ein Restaurant mit Spezialitäten aus dem Amazonasgebiet. Während wir auf das Essen warteten, sprachen wir Jugendlichen, ohne es zu merken, in einer Selbstverständlichkeit Deutsch miteinander. Die vergangenen gemeinsamen Tage, an den wir uns ständig auf Deutsch unterhalten hatten, haben bei uns eine Veränderung bewirkt. Oft hat man Angst, Deutsch zu sprechen oder Fehler zu begehen und man fürchtet, dementsprechend beurteilt zu werden. Aber für uns ist das nun Vergangenheit. Wir haben verstanden, dass es nicht wichtig ist, perfekt zu sprechen, sondern kommunizieren zu können. Diesen Abend haben wir am meisten genossen, wir konnten nicht aufhören zu lachen! 

Viele von euch denken, sie hat ja gar nicht gewonnen, da sie es nicht geschafft hat, erste zu werden. Aber ich bin sicher, dass diejenigen, welche meinen Text gelesen haben, sich nun vorstellen können, was ich alles gewonnen habe. Am Anfang hatte ich Angst, viel Angst, ich wollte nicht mitmachen, aber inzwischen weiß ich, dass es normal ist, es ergeht jedem so. Doch es gibt einen Unterschied. Dank meinem Deutschlehrer, Roman Feltscher, welcher mich motiviert hat, teilzunehmen, habe ich mich getraut, mich dieser Aufgabe zu stellen. Ich möchte alle Schülerinnen und Schüler, welche sich davor fürchten, ermuntern, es zu versuchen. Ich versichere euch, dass ihr auf jeden Fall einen Sieg davontragen werdet!
Florencia Hemmelmann, Klasse 11A, Deutsche Schule Osorno, Chile

Lesen Sie auch unseren Bericht zum Finale

 

 

Florencia Hemmelmann (li) Autorin;

Josefa Hidalgo Gudenschwager (re.) Siegerin II. Internationales Finale Südamerika