Jugend debattiert

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Maria Brier aus Borken und Hans-Georg Mock aus Hannover gewinnen das Finale des Bundeswettbewerbs Jugend debattiert in Berlin Bundespräsident Horst Köhler zeichnet die Sieger aus und mahnt zur Sachlichkeit in der politischen Debatte Berlin, 12. Juni 2005. Rund 40.000 Schüler und ca. 1200 Lehrer an 400 Schulen in ganz Deutschland haben sich am Bundeswettbewerb Jugend debattiert 2005 beteiligt.

Nach hart umkämpften Finaldebatten zu den Themen „Sollen in Deutschland gesetzlich bestimmte Mindestlöhne eingeführt werden?“ und „Sollen Volksbegehren und Volksentscheid auf Bundesebene generell eingeführt werden?“ nahmen die Sieger heute im Sendesaal des Rundfunk Berlin-Brandenburg in Berlin ihre Urkunden aus den Händen des Bundespräsidenten entgegen. In der Altersgruppe der Klassen 8 bis 10 konnte die 16-jährige Maria Brier von der Gustav-Heinemann-Schule Borken (Hessen) den Wettbewerb für sich entscheiden. Das Finale der Jahrgangsstufen 11 bis 13 gewann der 18-jährige Hans-Georg Mock von der Leibnizschule aus Hannover. In den Finalrunden standen Landesfinalisten aus Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

Bundespräsident Horst Köhler, Schirmherr des Projektes Jugend debattiert, zeigte sich beeindruckt von den fairen und überaus sachlichen Streitgesprächen der Jugendlichen, die ein praktischer Beitrag zur politischen Bildung seien: „Die offene Gesellschaft braucht eine offene Debattenkultur. Das vermittelt Jugend debattiert.“ Diese Kultur werde in Deutschland aber häufig nicht gelebt, da „zu oft auf pointierte Beiträge mit Empörung reagiert oder ‚Skandal’ gerufen werde, wo nichts Skandalöses ist“, so der Bundespräsident. Er mahnte zu mehr Nachdenklichkeit in der politischen Auseinandersetzung: „Demokratie lebt nicht nur von engagierten Debattierern, sondern auch von kritischen Zuhörern.“

Der Bundeswettbewerb Jugend debattiert wurde im November 2002 vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau initiiert. Die Hertie-Stiftung in Frankfurt am Main führt den Wettbewerb durch. Gefördert wird das Projekt gemeinsam mit der Stiftung Mercator, der Heinz Nixdorf Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. Die 16 Kultusministerien leisten einen substanziellen Beitrag, die Kultusministerkonferenz tritt fördernd auf. Jugend debattiert ist mit einem Etat von rund fünf Mio. Euro das größte privat finanzierte Vorhaben zur sprachlichen und politischen Bildung in Deutschland.

Der Wettbewerb erreicht verschiedene Schulformen: Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Berufsschulen arbeiteten im laufenden Schuljahr in 134 Schulverbünden zusammen – einem bundesweiten Netzwerk, das Qualifizierung und Erfahrungsaustausch sichert. Jugend debattiert verknüpft Training und Wettbewerb. Professionelle Trainer schulten Lehrer der Klassen 8 bis 13 fächerübergreifend im Debattieren. Mit speziellen Unterrichtsmaterialien ausgestattet, trainierten die Lehrkräfte anschließend ihre Schüler im Klassenverband. Der Wettbewerb erfolgte auf vier Ebenen: Klasse, Schulverbund, Land und Bund.

In einer Debatte bei Jugend debattiert äußern sich jeweils vier Jugendliche zu aktuellen politischen und schulischen Streitfragen. Jeder erhält zunächst zwei Minuten ungestörte Redezeit, in der er seine Position – pro oder contra – darlegt. Es folgen zwölf Minuten freie Aussprache. Für ein Schlusswort steht jedem Teilnehmer eine Minute zur Verfügung. Seine ursprüngliche Meinung darf er dabei verändern. Eine Jury bewertet die Debattanten nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Die Bundessieger gewinnen eine sechstägige Akademiewoche und die Aufnahme in ein Alumni-Programm.

Die Jury beim heutigen Bundesfinale war prominent besetzt: Neben Sandra Maischberger, Wolf Schneider und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Prof. Johanna Wanka, beurteilten auch die Vorjahressieger des Wettbewerbs die Finaldebatten. Den Regeln des Projekts folgend, begründeten alle Juroren ihre Wertung öffentlich.

Maria Brier und Hans-Georg Mock, die am Ende in der Jury-Wertung vorne lagen, sehen in dem Wettbewerb einen großen Gewinn: „Jugend debattiert ist für mich bis jetzt der einzige Schülerwettbewerb, bei dem man nicht nur sein Können unter Beweis stellen muss, sondern bei dem man auch wirklich dazulernt und sich weiterentwickeln kann. Es wird nämlich nicht vorausgesetzt, dass man debattieren kann, sondern das wird gemeinsam mit anderen Schülern erlernt“ so Maria Brier. Hans-Georg Mock: „Je mehr Meinungen zu einer Frage eingebracht werden, desto besser wird letztlich das Ergebnis für alle sein, da umso wahrscheinlicher der beste Kompromiss gefunden wird. Diese Ergebnisorientierung findet in der Debatte ihren Höhepunkt. Jugend debattiert bietet eine hervorragende Möglichkeit, gerade jungen Menschen die Kunst des Redens, Argumentierens und Überzeugens nahe zu bringen. 

Die Finalteilnehmer im Bundeswettbewerb Jugend debattiert 2005:

Klassen 8 – 10 (Sekundarstufe 1):

1. Platz: Maria Brier, 16 Jahre, Gustav-Heinemann-Schule, Borken (Hessen)
2. Platz: Nicolas Erd, 16 Jahre, Bertha-von-Suttner-Oberschule (Berlin)
3. Platz: Anja Borgstädt, 16 Jahre, Realschule Heepen (NRW)
4. Platz: Magdalena Kanthak, 16 Jahre, Franziskaner Gymnasium Kreuzburg Großkrotzenburg (Hessen)

Jahrgangsstufen 11 – 13 (Sekundarstufe 2):

1. Platz: Hans-Georg Mock, 18 Jahre, Leibnizschule Hannover (Niedersachsen)
2. Platz: Catherine Wolf, 18 Jahre, Karl-von-Frisch-Gymnasium Dusslingen (Baden-Württemberg)
3. Platz: Tom-Michael Hesse, 16 Jahre, Geschwister-Scholl-Gymnasium Taucha (Sachsen)
4. Platz: Annika Böddeling, 18 Jahre, Gymnasium Buckhorn (Hamburg)